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Evangelische Kirche  

Das erste evangelische Gotteshaus stand zwei Jahre

Nicht leicht hatte es die Reformation in Wipperfürth. Die Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde berichtet in ihren ersten Jahren zu Beginn des 17. Jahrhunderts von großen Schwierigkeiten, ja von Verfolgung und Ausweisung. Kurz nach 1610 erhielten die Anhänger der "neuen Lehre", wie es in einem Bericht heißt, im Rathaus, das sich damals in der oberen Stube der Petruskapelle am Markt befand, einen Gottesdienstraum. Nach der Einnahme der Stadt durch spanische Truppen im Jahre 1622 wurde den Protestanten die Ausübung des Gottesdienstes untersagt.

Nach langen Streitereien, auch mit den Glaubensgenossen, der benachbarten Kirchspiele Klaswipper und Rönsahl, erhielten die Lutheraner erst 1788 von der Regierung die Erlaubnis zur öffentlichen Religionsausübung in Wipperfürth. Bedingung war allerdings der Bau einer eigenen Kirche in Wipperfürth. Im heutigen Karl-Josef-Haus wurde am 18. Dezember 1788 das erste Konsistorium der neuen evangelischen Kirchengemeinde Wipperfürth gewählt. Endlich konnte 1793 eine eigene neue evangelische Kirche am Marktplatz eingeweiht werden. Die älteste evangelische Kirche in Wipperfürth stand an der gleichen Stelle wie das heutige Gotteshaus.

Zeichnung der ev. Kirche von 1789
Zeichnung der ev. Kirche von 1789

Kaum zwei Jahre stand diese Kirche, da vernichtete der Stadtbrand von 1795 auch diesen Bau. Die Sache der evangelischen Christen erhielt durch diese Katastrophe einen schweren Rückschlag. Erst 1877 wurde wieder eine neue evangelische Kirche eingeweiht. 1891 wurde Wipperfürth wieder selbständige Kirchengemeinde, nachdem die Trennung von der Nachbargemeinde Klaswipper vollzogen worden war. Erster Pfarrer wurde der unvergessene und hochgeachtete Friedrich Hunke.

Zeitgenössische Berichte wissen von dem Brand von 1795 zu sagen: "Die Feuerspritze aus Hückeswagen konnte nicht einmal durch die zerstörte Thorburg der Stadt eindringen und versuchte deshalb, jedoch gleichfalls vergebens vom Gaulbach her und vor dem Attendorner Thore ihr Löschwerk an der kurz zuvor fertiggestellten evangelischen Kirche".

Christian Heinrich Wülfing schreibt zur abgebrannten evangelischen Kirche:

„Der Verlust dieser Kirche traf die damalige lutherische Gemeinde um so härter, als ihr der Aufbau bereits eine beträchtliche Vorausgabe verursacht hatte, wie der nachstehende Erlaß des Landesherren beweist: „ Ihro Churfürstliche Durchlacht haben gnädigst geruhet, denen lutherischen Religionsgenossen zu gestatten, dass selbige in der Hauptstadt Wipperfürth eine lutherische Kirch gegen Erlegung eines gewissen Stückgeldes aufbauen mögen und zufolge gnädigsten mandati ist die von der lutherischen Gemeinde geschehen Angabe mit 500 Reichstalern ediktmäßig an den Rechner geschehen, gestalten davon 200 Reichstalern der Missionskapelle zu Kreuzberg zukommen, von den ferneren 300 Talern aber das Stadt-Armen-Hospital wieder repariert werden solle. Es wurden von der lutherischen Gemeinde diese 500 Reichstaler baar entrichtet und also verteheilt...

Der Grundstein für die heute am Marktplatz stehende evangelische Kirche wurde erst am 26. April 1875 gelegt; die feierliche Einweihung wurde am 6. Juni 1877 vollzogen.