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Franziskaner-Kloster zu Wipperfürth  

Das alte Kloster der Söhne des hl. Franziskus

Es ist eigenartig, dass die ältesten und hervorragendsten Zeugnisse des Alters und der glorreichen Geschichte der Stadt Wipperfürth ihre Kirchen sind.

Hoch über der Stadt und der St. Nikolaus-Pfarrkirche erhebt sich auf einem Hügel im Süden der Stadt, gleichsam als „Wachtburg“, das alte Kloster der Söhne des hl. Franziskus. Auf diesem „Klosterberge“ stand vordem eine Burg, aus deren Steine später Kirche und Kloster erbaut wurden. Die Burg beherbergte nach dem frühen Wegzug der Edelherren „von Wipperfürth“ ab 1143 ein Filialstift der Kanoniker von St. Aposteln in Köln. Nach ihrem Abzug, etwa gegen 1189, wurde es still um das Gebäude. Bei der Renovierung der Klosterkirche 1953/54 entdeckten die Bauleute im nördlichen Kreuzgang des alten Klosters einige Gräber aus der früheren Zeit. Damit war der Beweis erbracht, dass die Franziskaner nicht als erste auf dem Klosterberge gebaut haben. Auf diesem Berge stand mehr als nur die Stadtmauer mit dem mächtigen Siegburger-Tor, von dem noch heute Teile in einem Wohnhaus erhalten sind.

Aber erst mit dem Klosterbau begann ein neues, blühendes Leben hier oben, dessen Ausstrahlungen das ganze bergische Land durchdrangen.

Die Franziskanerklöster Mittel- und Westdeutschlands bildeten im 16. und 17. Jahrhundert zwei Ordensprovinzen, die Thüringische Provinz von der hl . Elisabeth für das mittlere und die sächsische Provinz vom hl. Kreuz für das westliche Deutschland.

Nach Genehmigung durch den Landesherren, Wolfgang Wilhelm, Herzog von Berg, berief der Wipperfürther Stadtrat, die ersten Mönche des hl. Franziskus nach hier. Ihre erste Niederlassung gründeten sie in einem Hause am Markt, das einem nach Köln verzogenen Dr. Düssel gehörte. Die ersten Mönche waren der Präses der Residenz zu Friesenhagen, Pater Ambrosius Pilgrim, aus Mainz gebürtig, und Pater Ernst Valentin aus dem Kloster zu Limburg. Beide brachten je einen Laienbruder mit. Das Haus am Markt war aber sehr bald zu klein. 1657 überließ der Stadtrat den Mönchen den Klosterberg zur „Erbauung eigener Kirchen und eigenes Kloster“. Bis dahin war der gesamte Gottesdienst in der Pfarrkirche gehalten worden. 1662 konnte jetziger Ostflügel des Klosters gerichtet werden. Er enthielt auch eine kleine Kapelle, die heutige Sakristei. Stadt, Landherr und Bürger waren sich einig in der Förderung des Klosterbaues. In den Jahren 1670 bis 1674 konnte nicht nur die Kirche erbaut werden, sondern auch der Süd- und Westflügel. Sie bildeten mit dem 1622 gebauten Ostflügel ein Klosterviereck mit Innenquadrum, 1747 erlaubte der Stadtrat die Verlängerung des Westflügels bis zur Stadtmauer. Damit erhielt die ganze Anlage ihre heutige Gestalt.

Zur Inneneinrichtung des Klosters stiftete der Rat der Stadt im Jahre 1689 65 Reichstaler. Das Kircheninnere ist in schlichtem Barock gehalten. Altar, Kanzel und Beichtstühle präsentieren sich heute in ihren ursprünglichen Farben.

Im Jahre 1673 wohnten im Kloster acht Patres und sechs Laienbrüder, 1736 waren es sechzehn Patres und sieben Brüder. Später stieg die Zahl der Patres bis auf achtundzwanzig. Der eigentliche Klosterebau vollzog sich unter Aufsicht des Guardians Pater Heinrich Schawenburg. Durch ihr vorbildliches Leben und ihre segensreiche Tätigkeit erwarben sich die Patres „Uff‘m Berge“ die Achtung und Anhänglichkeit der Bürgerschaft und des Rates der Stadt und darüber hinaus des gesamten Bergischen Landes. Der Stadtrat überließ dem Konvent das Gelände ostwärts des Klostergebäudes bis zur Stadtmauer für Hofraum, Garten und Bauernhof, befreite ihn von Malgebühren in den Stadtmühlen, schenkte ihm den Wein für fremde, übernachtende Patres und gewährte ihm zehn Taler für die Begleitung der Agathaberger Prozession.

Neben ihrer priesterlichen Tätigkeit versahen die Patres den Gymnasialunterricht. Außerdem waren sie gern gesehene und begehrte Aushilfsseelsorger in Olpe, Wipperfeld, Kreuzberg, Thier, Agathaberg, Jostberg (Hämmern) und Kempershöhe. Sie missionierten in Hückeswagen, Radevormwald, Hagen und Barmen.

Ungehindert walteten die Franziskaner von Wipperfürth mehr als anderthalb Jahrhunderte ihres Amtes, bis der furchtbare Stadtbrand von 1795 ihre Kirche bis aufs Gewölbe und die übrigen Klosterbauten bis auf die Mauern zerstörte. Die durch Gelübte schon armen Patres wurden jetzt erst recht arm. Die sonst hilfsbereite Bürgerschaft hatte selbst Hab und Gut verloren, denn nur sieben Häuser überstanden den Brand. Das noch gerettete Gut wurde den Bürgern von französischen Revolutionstruppen abgenommen. Im Jahre 1803 war die Not der Patres und Brüder bis zum „Brotmangel“ gestiegen. Ein neuer Aufstieg war dem Kloster versagt.

Am 31. Juni 1804 verfügte der Landesherr, Kurfürst Maximilian Josef von Bayern, die Auflösung aller Bettelorden in seinem Lande. Zwar wurde Wipperfürth als Zentralkloster bestimmt, aber am 08.11. 1812 musste diese Eigenschaft an das Kloster in Neviges abgetreten werden. Die letzten Patres verließen das Kloster im Jahre 1818.

Im Jahre 1826 ging das Kloster in das Eigentum der Stadt Wipperfürth über. Sie schenkte die Klosterkirche der Katholischen Pfarrgemeinde Wipperfürth. Das Gebäude beherbergt heute die Familienbildungsstätte „Haus der Familie“.