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Gerichtsstätte der Stadt Wipperfürth  

Wipperfürther Justitia

Von der Gerichtsbarkeit im Amte Steinbach, zu dem auch die Stadt Wipperfürth gehörte, erhalten wir erst seit dem Jahre 1300 genauere Kunde, als sich die Ämterteilung im Bergischen Land vollzog. Sicherlich wird es in Wipperfürth bereits vorher eine sogenannte "Mahlstätte" = Gerichtsstätte gegeben haben, zumal sich der oben genannte Begriff vom althochdeutschen "mahal" = Gericht ableiten lässt.

Eine eigene Gerichtsbarkeit mit eigener Verwaltung erhielt die Stadt Wipperfürth von Graf Heinrich I., wobei Graf Adolf V. hierfür zeichnete. 1225 – 1555 bestand das Gerichtspersonal aus 13 Personen, die mit den Ratsherren identisch waren, von denen einer der Richter, die anderen die 12 Schöffen waren. Hinzu kam noch der Gerichtsschreiber und der Kirchenschreiber. Der Richter wurde aus der Reihe der Ratsherren vom Landesherren auf Lebenszeit ernannt. Um 1300 erhielt auch der Bürgermeister vom Landesherren die Ausstellung als zweiter Richter, wobei nun die Zuständigkeit der verschiedenen juristischen Fälle aufgeteilt wurde. Der erste Richter urteilte in Gewalt- und Kriminalsachen, der Zweite (Bürgermeister) in bürgerlichen Klagen über Schulden und Sachen. Graf Adolf VI. übertrug dann 1347 beide Gerichtsbefugnisse auf einen Einzigen.

Bis 1555 war der Gerichtsbezirk nur die Stadt Wipperfürth mit ihren Bürgern, wobei das städtische Gericht ausschließlich die Bürger belangen konnte; umgekehrt kein Wipperfürther vor ein anderes Gericht geladen werden durfte. Mit der Jülisch-Bergischen Rechtsordnung des Herzogs Wilhelm –1555-, wurde die Gerichtsbarkeit im Bergischen Land vereinheitlicht.

Zuweilen wurde vom Stadtgericht - nach eingeholter landesherrlicher Entscheidung - ein Todesurteil ausgesprochen und vollstreckt; dies beweist der sogenannte Galgenberg der Stadt Wipperfürth. Dieser Galgenberg befand sich am Ortsausgang in der Nähe der heutigen B 506, in Richtung Bergisch-Gladbach.

Über die Vollstreckung eines Todesurteils durch das hiesige Stadtgericht liegt ein Bericht aus dem Jahre 1716 vor; es war dies die letzte Hinrichtung in Wipperfürth.

Schließlich sei noch vermerkt, dass das Gelände oberhalb am Galgenberg der Stadt, der Gemeinde gehörte und von ihren Bewohnern zum eigenen Vorteil genutzt wurde. Sie konnten zum Beispiel Weidewirtschaft betreiben, während der Magistrat die dort stehenden Bäume zur Ausbesserung der Straße und Wege schlagen ließ.