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Geschichte  

Die älteste Stadt des Bergischen Landes

Inmitten des Bergischen Landes liegt im Tal der Wupper, angelehnt an den Klosterberg, früher auch Krakenburg oder Krähenberg genannt, die älteste Stadt des Bergischen Landes, Wipperfürth.

Durch sie fließt die Wupper, der Fluss, von dem die Stadt ihren Namen herleitet, bis zu seiner Mündung in den Rhein, hierbei nutzen viele Fabriken, Mühlen, Hämmer u.a. die natürliche Kraft der Wupper.

Hier an dieser Stelle, an der Furt durch die Wupper, war es wo vielleicht vor Jahrtausenden die erste Ansiedlung gegründet wurde. Wer war dieser oder diese Ansiedler? Wir wissen es nicht und aus grauer Vorzeit sind uns auch keine Namen bekannt. Fest steht, dass um 400 v.Chr., also vor mehr als 2.500 Jahren die Kelten im Bergischen ihre Wohnstätten hatten. Ihnen folgten die Sugambrer, die Usipeter und Tekterer, die von der Lippe herkamen, später kämpften Sachsen und Franken in dieser Gegend. Von den Wanderungen der verschiedenen Stämme und Heere ist die hiesige Gegend stets berührt worden, da wie schon erwähnt hier eine Furt durch die Wupper führte und der Ort sich als Durchgangspunkt zum Rhein, der Sieg, und nach Westfalen usw. erwies.

Bis zum 12. Jahrhundert liegt die Entstehungsgeschichte der Stadt Wipperfürth vollkommen im Dunkeln.

Möglich ist, dass Wipperfürth schon zur Zeit Karls des Großen bestand; denn wenn man einerseits die verhältnismäßig große Ausdehnung bedenkt, die die Stadt bereits um 1200 hatte, andererseits das langsame Anwachsen einer Ortschaft in der damaligen Zeit berücksichtigt, so kann man mit Recht den Anfang und die Entstehung Wipperfürth`s weit zurückdatieren.

Im 12.Jahrhundert beginnt sich das Dunkel der Stadtgeschichte zu lichten. Wipperfürth tritt in nähere Beziehung zu den Landesherren.

Die Ritter, die wegen ihrer Stammburg Berg an der Dhünn den Namen „die von Berg“ trugen und später unserem Land den Namen „Berg“ oder das „Bergische“ gaben, gehörten zu den angesehensten Rittergeschlechtern unserer rechtsrheinischen Gegend.

Im Kriege zwischen Otto von Braunschweig und Philipp von Schwaben, den Bewerbern um die deutsche Kaiserkrone, hatte Wipperfürth viel zu leiden.

Nach dem Friedensabschluss im Jahre 1215 machten Graf Adolf III. und sein Mitregent Engelbert, der 1216 Kölner Erzbischof wurde, den Schaden wieder gut.

Sie erhoben Wipperfürth zur ersten Stadt in der Grafschaft Berg, indem sie die Bürger von allen landesherrlichen Abgaben befreiten, ohne sie jedoch von der Verpflichtung gegen ihre Privatherren und die kirchlichen Personen zu entbinden. Engelbert bestätigte diese Tatsache durch die Urkunde des Jahres 1222.

Wipperfürth ist also die älteste Stadt im Bergischen. Lennep erhielt sein Stadtrecht kurz nach 1250, Ratingen am 11. Dezember 1276 und Düsseldorf am 14. August 1288.

Engelbert, der als letzter männlicher Spross des bergischen Hauses seit 1218 neben dem erzbischöflichen Amt auch das eines Grafen bekleidete, schenkte der Tradition gemäß der Stadt auch sonst seine Gunst. Des öfteren soll er die Stadt besucht haben, und heute nennen die Alteingesessenen einen Pfad am ehemaligen „Wolfsberge“ heute Wolfsiepen, das „Bischofssträßchen“, weil ihn Engelbert als Spazierweg bevorzugt habe.

Ein steinernes Stadtbild des heiligen Engelbert wurde im Jahre 1879 auf dem hiesigen Marktbrunnen errichtet und im Jahre 1914 durch eine Bronzestatue ersetzt.

Aus der weiteren Geschichte der Stadt sei hier noch erwähnt, dass sie im Laufe der Jahrhunderte, in den Jahren 1333,1352,1368,1386,1404,1412,1465,1511,1585, 1780, 1795 durch Feuersbrunst ganz oder teilweise zerstört wurde. Die Stadt war seit frühester Zeit mit einer Stadtmauer umgeben, vermutlich wurde sie nach dem letzten großen Stadtbrand im Jahre 1795 „geschliffen“ (abgerissen).

Die Stadtmauer begann auf dem heutigen Klosterberg an der Siegburger Pforte, verlief den Schützengraben entlang herab zur Kölner Pforte, bog (hinter der Ellersecke) ab zur Mahlpforte (am Radium), wandte sich den Mühlengraben nach außen, an der Pfarrkirche vorbei zum Attendorner Tor und stieg am ehemaligen „Brunnen“ heute an der Gaulstraße (hinter dem Gebäude der Volksbank), wieder zu Höhe des Krähenberges hinauf um hinter dem Kloster den Ring der Stadtmauer wieder zu schließen.

Reste dieser Stadtmauer sind erhalten in der Baumschule an der Ringstraße. In jüngster Zeit wurden bei Erdarbeiten weitere Reste der Stadtmauer gefunden und katalogisiert, so im Bereich der „Ellersecke“ (Hochstraße), im Bereich der Stursbergsecke, sowie im Bereich der St. Nikolaus Pfarrkirche.

Reste der Siegburger Pforte sind noch in einem Wohnhaus auf dem Klosterplatz sichtbar.

Noch heute vorhanden ist das Gewölbe des Küster`chen Hauses am Eingang der Gaulstraße, ein Überrest des früher dort stehenden Leopartzturmes. Ein vierteiliges Kreuzgewölbe wird in der Mitte von einem starken Pfeiler gestützt. An der Außenseite der Rückwand ist ein Wappen angebracht, das vermutlich mit der Familie Nagel zusammenhängt, zu deren Wirtschaftsgebäude der Keller früher gehörte. Vom Keller aus führte früher ein unterirdischer Gang zur Siegburger Veste auf dem Klosterberg, der aber heute verschüttet ist. Ein anderer Gang, der unter der Gaulstraße her das Wirtschaftsgebäude mit dem Herrenhaus (Gasthof „Penne“) verband, ist ebenfalls durch den starken Verkehr auf der Straße eingedrückt worden.

In einer Urkunde (Lac. Urkunden I 320) vom Jahre 1189, in welcher der Name Wipperfürth erstmalig vorkommt, wird als Zeuge ein Theoderich von Wipperförde nebst seinem Sohne Olerich genannt. Dass darunter Mitglieder einer adeligen Familie „von Wipperfürth“ zu verstehen sind, ergibt sich aus den anderen in der Urkunde aufgeführten Personen, die gleichfalls bergischen Dynasten- und Adelsfamilien angehören: Graf Engelbert von Berg, Graf Heinrich von Hückeswagen, Everad von Opladen, Hartleb von Lindlar.

Die adelige Familie „von Wipperfürth“ war im 13. Jahrhundert auch in Köln ansässig. Ein Gottschalk von Wipperfürth gehört zu den Kölner Edelbürgern, die im Jahre 1259 von Erzbischof Conrad von Hochstaden in die Acht erklärt wurde.

Im Jahre 1346 wird ein Ritter Kuno von Wipperfürth genannt, der mit dem Kloster Meer einen Streit um eine Weinrente bei Königswinter hatte; Kunos Bruder, Werner von Wipperfürth, war Canonikus im Stift St. Maria ad Gradus in Köln. Im Jahre 1263 bekennt Ritter Hartlev von Dromere für sich, seine Gattin und Kinder „von Wipperfürth“ - es sind also aus erster Ehe Kinder deren Vater ein Herr „von Wipperfürth“ war - dass sie verpflichtet sind, der Apostelkirche in Köln von einem Grundstück am „Szevelinc“ bei Wipperfürth jährlich einen Zins von 12 Denaren zu zahlen. In der späteren Geschichte der Stadt wird die adelige Familie „von Wipperfürth“ nicht mehr erwähnt.

Die Burg von Wipperfürth war im Jahre 1405 noch vorhanden und spielte eine bedeutsame Rolle in dem großen Stadtbrand von 1404. Die Kölner hatten die Stadt belagert und eingenommen, als von der Burg aus ein Schütze, namens Krewell oder Krauwer, mit glühenden Pfeilen die Häuser in Brand schoß; die Loelhoffsche Chronik nennt in ihrer niederdeutschen Mundart die Burg ein „Schloß“ („ob den Slos war ein Schutz“).

Aus dieser Begebenheit läßt sich ein Schluß auf die Lage der Burg gewinnen; die tiefer gelegenen Stadtteile waren schon von den Kölnern besetzt, als die Burg sich noch hielt. Die Burg lag demnach auf der Höhe, auf dem die Stadt beherrschenden heutigen Klosterberg. Die Überreste der Burg wurden später ein Teil der vom Siegburger Tor hier herführenden Stadtmauer, der Namen „Krakenburg“ ruht demnach auf einer geschichtlichen Unterlage.

Der heutige Stadtkern entspricht in seiner Form noch dem des aus dem 14. Jhds. Räumlich begrenzt wird der alte Stadtkern durch die Untere Straße mit der St. Nikolaus Pfarrkirche und dem Kirchplatz im Norden, und durch die Klosterstraße mit der Klosterkirche im Süden, mit dem Marktplatz im Osten und der „Ellers Ecke“ im Westen.

Die Energie der Bürger und ihr Bodenständigkeit brachten sie jedoch immer wieder zu neuem Erstehen, und heute bietet sie sich als schöne mittlere Kleinstadt dem Besucher dar.

Aber nicht allein durch die großen Brände hat Wipperfürth so schwer gelitten. Die Lage als Durchgangspunkt in alle Richtungen brachte es mit sich, dass die im Westen sich abspielenden kriegerischen Verwicklungen die hiesige Gegend fast immer in Mitleidenschaft zogen. Im Jahre 1404 und 1414 hatte Wipperfürth die Schrecken der Belagerung und Erstürmung zu erdulden.

Von 1688 – 1814 brachten die großen Völkerkriege, soweit sie Deutschland betrafen, ohne Ausnahme, der Stadt wegen ihrer verkehrsgünstigen Lage unerträgliches Missgeschick, und selbst in Kriegspausen in fast jedem Jahr kostspielige Wintereinquartierungen.

Hinzu kam, dass langandauernde Trocken- oder Regenzeiten sowie Hagelschlag immer wieder die ganze Ernte vernichteten.

Trotz aller Schicksalsschläge ließ sich die Bevölkerung Wipperfürths nie unterkriegen und schaffte immer wieder einen Neuanfang. Andere Städte der Umgebung waren vielleicht reicher durch ihre Industrie; dafür hatte Wipperfürth aber stets einen gesunden Mittelstand und nicht das Massenelend der Industriestädte.

Da Wipperfürth bis zum Ende des 19 Jahrhunderts der Durchgangs- und Kreuzungspunkt der kürzesten und bequemsten Verbindungswege zwischen Rheinland und Westfalen, dem Siegerland und dem unteren Wuppertal war bot die Stadt ein buntbewegtes Bild des regen Güter und Nahverkehrs, so dass die Wirtschaften „zum Sternhof“, „zum Krug“, „zum guldenen Ritter“, „zum Engel“, „zum Adler“ und wie sie sonst noch hießen, oft genug nicht wussten, wie sie die Menschen und Tiere unterbringen sollten, die, von auswärts kommend, eine Unterkunft für die Nacht suchten.

Dass auch die große französische Revolution und ihre Folgen nicht spurlos an Wipperfürth vorübergingen, ist erklärlich. Am 9. April 1815 wurde durch den Wiener Kongress das Bergische mit dem Königreich Preußen vereint und damit kam auch Wipperfürth an die Krone Preußens.

Mit dem Gebiet des damaligen Kantons Lindlar, doch ohne das Kirchspiel Overath, bildete die Stadt Wipperfürth von 1816 bis 1932 den Kreis Wipperfürth, mit Wipperfürth als Kreisstadt.

Im Jahre 1932 wurde der Kreis Wipperfürth aufgehoben und mit dem früheren Kreis Mülheim zum Rheinisch-Bergischen Kreis mit der Kreisstadt Bergisch Gladbach vereinigt.

Nach der Neugliederung zum 1.1.1975 gehört Wipperfürth nunmehr dem Oberbergischen Kreis mit der Kreisstadt Gummersbach an.