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Katholische Pfarrkirche  

Stummer Zeuge der Jahrhunderte:
Baudenkmal St.-Nikolaus-Kirche

Das einzige erhaltene Monument aus der Zeit der Gründung der Stadt

Große Werke kirchlicher Baukunst

Ein einzigartiges Dokument steht uns in einem alten Foto zur Verfügung. Es zeigt uns ein nüchternes und schlichtes Gotteshaus, das man auf den ersten Blick kaum als die St.-Nikolaus-Pfarrkirche erkennen würde. Und doch ist es diese Kirche, die ein Fotograf, der erste im alten Städtchen, mit seinem Ungetüm von Kamera mehr als 100 Jahren aufgenommen hat. Völlig schmucklos, ohne die kennzeichnenden Türmchen steht das Bauwerk da. Es vermittelt uns einen Eindruck von der Armut jener Zeit. Der letzte verheerende Stadtbrand hat 1795 auch die Kirche erfasst und Langhaus und Turm arg mitgenommen. Der Turm, so heißt es in einem Bericht, musste bis auf 80 Fuß abgetragen werden. Dann wurde er mit einem viereckigen Bretterbelag abgedeckt. Die Chortürme wurden niedergelegt. Bis 1832 war das Kirchendach aus Stroh. Der erbärmliche Zustand der Kirche wird noch durch dieses Foto rund 70 Jahre nach dem Brand deutlich. Die flache Abdeckung des Turms ist zu erkennen, es gibt keine Chortürme, die an der Ostseite des Langhausdaches flankieren. Die Seitenschiffe, so kann man ebenfalls erkennen, reichen nur bis zum Turm und sind noch nicht bis auf die Höhe des Hauptportals vorgezogen.

Die Baugeschichte des Gotteshauses im 19. Jahrhundert gestattet uns, den Zeitpunkt des alten Fotos ziemlich genau festzulegen. Erst 1868 habe die Kirche ihre erste durchgreifende Erneuerung erfahren, heißt es hier. Man verlängerte die Seitenschiffe bis zur Vorderfront des Turmes. Das alte Foto der Pfarrkirche muss also in jedem Fall vor 1868 entstanden sein, es ist also wenigstens 100 Jahre alt und als ältestes Foto in Wipperfürth überhaupt zu bezeichnen. Erst 1876 also 81 Jahre nach der Brandkatastrophe des Jahres 1795, wurde der Turm wieder zur alten Höhe emporgeführt.

Bei den Bauarbeiten für die neue Sakristei hat man vor Jahren (1961) an der Nordseite der Kirche alte Gräber und die Fundamente der Stadtmauer entdeckt, die im Abstand von 15 Metern an der Kirche vorbeiführte. Um die Kirche wie auch innerhalb des Kirchenraumes hat man bei Erdarbeiten in den letzten Jahren zahlreiche Gräber gefunden.

Alter Sitte gemäß ruhten auch in Wipperfürth die Toten in der Umgebung der Kirche, einige in der Kirche selbst. Im Jahre 1803 forderte die Regierung aus sanitären Gründen die Verlegung des Friedhofes. Der Magistrat sträubte sich, "da der Friedhof so wie so am äußersten Ende der Stadt gelegen", musste aber schließlich nachgeben.

1813 wurde der neue Friedhof im sog. "faulen Graben" an der Lüdenscheider Straße angelegt; seine Verwaltung ging am 1. April 1923 auf die Stadt über; dieser Friedhof wird heute nicht mehr genutzt.

Mit der Anlage eines neuen Friedhofes an der Weststraße, der auch heute noch genutzt wird, wurde 1949 begonnen.

Die katholische St. Nikolaus Pfarrkirche
Unter den Gebäuden der Stadt ragt die Pfarrkirche zum hl. Nikolaus mit etwa 57 Meter hervor. Sie wurde erst nach 1100 erbaut; denn die Verehrung des hl. Nikolaus kam im Abendlande erst auf, als sein Leichnam 1807 nach Bari in Italien überführt und der Jahrestag der Überführung, der 09. Mai, vom Pabst Urban II (1088 bis 1099) zum Festtag erhoben worden war. Anderseits war die Kirche schon fertig mit ihren beiden Chortürmen, die aber nicht achtseitig, sondern rund und weit höher als jetzt waren, und dem Turm dessen Seitentürmchen und Giebel aber nicht aus der ersten Bauzeit, sondern aus der Frühe des 13. Jahrhunderts stammen. Auch die Blendnischen, mit denen die Lichtgadenwand an der Südseite der Kirche zwischen den Fenstern belebt ist, gehören den ersten Bauarbeiten an. Bau und Ausbau der Kirche muss etwa in den Jahren 1143

Stadt Wipperfürth um 1715 nach Erich Philipp Ploennies
Stadt Wipperfürth um 1715 nach Erich Philipp Ploennies

Die Umbauten, welche die Kirche im frühen 13. Jahrhundert erfuhr, waren die ersten, so auch die letzten größeren Arbeiten, die an ihr vorgenommen wurden. Trotz ihrer isolierten Lage wurde die Kirche während des Mittelalters viermal durch Stadtbrände mitbeschädigt, da Dach und Turmhelm Schindeln trugen. Sie wurde aber jedes Mal wiederhergestellt und hielt das Äußere bei, das uns das Stadtbild des Jahres 1715 von Ploennis zeigt. Im Jahre 1716 wurde der Turm ausgebessert und zugleich mit dem Kirchendach durch Schieferbelag gesichert. Außerdem waren im ausgehenden Mittelalter das nördlich Seitenschiff und das südliche Nebenchörchen durch derbe Strebepfeiler gestützt, da die Mauern infolge des Seitenschubes der Gewölbe auszuweichen drohten.

Durch den Stadtbrand 1795 erlitt sie solche Beschädigungen, dass der Turm, der bis zum Helm, 96 Fuß maß, bis auf 80 Fuß abgetragen werden musste. (Das Feuer war durch die hölzernen Schallluken in den Turm gelangt) Man schloss, da die Mittel fehlten, den Turm mit einfachem viereckigen Bretterbelag ab, legte die Chortürmchen nieder und versah bis 1832 das Kirchendach mit Stroh.

Die Kirche erfuhr seit 1868 eine durchgreifende Erneuerung nach den Plänen des Kölner Architekten Franz Schmitz. Ganz erneuert wurden die Seitenschiffe, die nach Westen hin um 2 Joche bis zur Turmfront verlängert wurden und größere Fenster erhielten, außerdem das südlich Seitenchörchen (mit dem leider nicht in den Gesamtstil der Kirche passenden dreiteiligen Rundbogenfenster) und das Mittelschiffgewölbe. Das von außen in die Turmhalle führende Portal wurde reicher ausgestaltet. Im Jahre 1876 wurde der Turm zur einstigen Höhe gebracht und 1888 wieder mit 4 Flankiertürmchen versehen.
Das Chortürmchenpaar wurde wieder errichtet, eine neue Sakristei angebaut und der Ostgiebel erneuert. Leider hat der Architekt in dem Bestreben, die Kirche zu verschönern, dem alten Bestand nicht genügend Rechnung getragen und dadurch den ursprünglichen Stilcharakter des Baues getrübt.

In den Jahren 1936/37 wurde unter Pfarrer Wasiak eine durchgehende Reparatur des Hauptturmes durchgeführt.

Die innere Ausgestaltung hat sich im Laufe der Zeit verändert. Einst stand auf dem Hauptchor ein hoher steinerner Altar mit einer Abendmahldarstellung - sein Mittelstück steht jetzt in der Innenwand des rechte Seitenschiffseinganges. Eine Orgelempore war nicht vorhanden; die Sänger standen während des Gottesdienstes im linken Seitenchörchen.

Der hier befindliche Marienaltar mit der altehrwürdigen Muttergottesstatue (ein gutes Kölner Werk um 1400) wurde um 1700 in der Kapelle unter dem Turm untergebracht.

Das die Kirche dem hl. Nikolaus geweiht wurde, hat wahrscheinlich seinen Grund darin, dass Erzbischof Bruno, der erste Bischof aus dem Geschlecht der Grafen von Berg, auf einem Römerzug im Jahre 1137 zu Trani starb und im Nikolausdome beigesetzt wurde.

Alter Sitte gemäß ruhten auch in Wipperfürth die Toten in der Umgebung der Kirche, einige in der Kirche selbst. Im Jahre 1803 forderte die Regierung aus sanitären Gründen die Verlegung des Friedhofes. Der Magistrat sträubte sich, "da der Friedhof so wie so am äußersten Ende der Stadt gelegen", musste aber schließlich nachgeben.

1813 wurde der neue Friedhof im sog. "faulen Graben" an der Lüdenscheider Straße angelegt; seine Verwaltung ging am 1. April 1923 auf die Stadt über; dieser Friedhof wird heute nicht mehr genutzt.

Mit der Anlage eines neuen Friedhofes an der Weststraße, der auch heute noch genutzt wird, wurde 1949 begonnen.