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Münzstätte (1275 bis 1360)  

Die Münzrechtsurkunde der Münzstätte Wipperfürth

Am 26. März 1275 bekam Adolf Graf von Berg von König Rudolf von Habsburg (Regentschaft von 1273 bis 1291) die Münzrechte für Wipperfürth verliehen.

Die Übersetzung lautet:
Rudolf, von Gottes Gnaden allzeit erhabener römischer König, allen Untertanen des Heiligen Römischen Reiches, die diesen Brief einsehen, seine Gnade und alles Gute. Und dem edlen Herrn Adolf Graf von Berg, unserem geliebten Untertanen, wegen seiner hervorragenden Verdienste einen Beweis Unserer außerordentlichen Gunst und Gnade zu gewähren, gestatten Wir dem genannten Grafen aus königlicher Leutseligkeit mit diesem Briefe, dass er seine Münzstätte, die er von Alters her bis jetzt in Weleberch betrieb, von nun an auf immer in Wippilvord betreiben kann und soll. Gegeben zu Mainz, am 26. März, im zweiten Jahre Unserer Regierung.

Im Kestner-Museum in 30159 Hannover, Trammplatz 3, befindet sich eine bislang unpublizierter Tournose der Grafschaft Berg aus der Münzstätte Wipperfürth.

Der Tournosen wurde zwischen 1328 und 1346 unter Graf Adolf VIII. von Berg geprägt. Er ist der letzte Typ einer längeren Reihe von Tournosen, die aufgrund der kaiserlichen Erlaubnis von 1328 in Wipperfürth geprägt wurden.

Den Urkunden zufolge wurde 1275 die Bergische Münzstätte von Wildberg nach Wipperfürth verlegt (Urkunde Lacomblet I. S.391). Ein Vertrag von 1279 verbot die Münzprägung in Wipperfürth gegen eine Entschädigung von 12 Mark kölnischer Pfennige (Urkunde Lacomblet I. S.433), doch wird die Prägung nach der Schlacht von Worringen 1288 wieder fortgesetzt worden sein. 1328 gestattete Kaiser Ludwig der Bayer den Grafen von Berg die Prägung von Tournosen in Wipperfürth (Urkunde Lacomblet III. S.194).

Die den Urkunden entsprechenden Münzen liegen uns in kleiner Anzahl vor, verteilt in zahlreichen Museen und privaten Sammlungen. Es wäre ein mühsames, aber lohnendes Unterfangen, alle bekannten Exemplare im Foto zu ermitteln. Die vermutlich ältesten Münzen aus Wipperfürth sind die Pfennige an 1275 mit sitzendem Bischof auf der Vorderseite und WIPPERWORDE CIVITA auf der Rückseite. Das jüngste Stück ist ein nur in Wien vorhandener Doppelschilling des Grafen Gerhard I. (1348 – 1360). Die Bergische Münzprägung in Wipperfürth ist somit nach dem Zeugnis der Urkunden und Münzen zwischen 1275 und 1360 ganz sicher belegt. Zu den bis hierhin erwähnten Urkunden und Münzen kommen nun weitere schriftliche Nachrichten hinzu.

Das Lagerbuch im Pfarrarchiv erwähnt schon für das Jahr 1143 eine Münzstätte in Wipperfürth. In diesem Jahr gründeten die Stiftsherren von St. Aposteln in Köln ein Filialstift in dem Ort Wipperfürth. Die Stiftsherren hatten „vom Zogelaiß deß herren von dem Lande den Tol (=Zoll), die Munte, Mole (=Mühlen), Hofgerichte und andere Gerechtigheid“.

Diese Eintragung ins Lagerbuch wurde freilich erst 1631 von Pfarrer Schnitzler vorgenommen, es stellt sich somit die Frage, ob entweder rechtlich Zustände insbesondere des 14. Jhs in die Mitte des 12 Jhs. zurückdatiert wurden oder die Bergische Münzprägung in Wipperfürth schon lange vor 1275 stattfand.

Das Herstellen von Münzstempeln und das Prägen von Münzen setzte vergleichsweise anspruchsvolle handwerkliche Fähigkeiten und Techniken auf dem Gebiet der Metallverarbeitung voraus. Die Münzstätte war kein kleiner Handwerksbetrieb, sondern sie erforderte einen arbeitsteiligen Produktionsablauf. Oft ist auch Bergbau, Eisenverarbeitung, Glockenguss und Feinschmiedearbeit im Zusammenhang mit einer Münzstätte zu finden.

Es ist bekannt, dass im 14. und 15. Jhd. zahlreiche Wipperfürther Bürger im Zuge des hansischen Fernhandels in den Ostseeraum übersiedelten. Zu Wismar wir 1353 ein Engelbertus Wippervorde als Münzgeselle in die Bürgerschaft aufgenommen. Er wird sein Handwerk an der Wipperfürther Münze gelernt und an der Wismarer Münze weiter ausgeübt haben.

Um 1400 erfahren wir, dass der Wipperfürther Bürger Johann Grayss in Richtung Halver hin einen „Kofferberch“ betreibt und das Kupfer in einer eigenen Hütte schmelzt. Nochmals erwähnt wird der Kupferberg auf einer Abgabenliste des Pastors Volmar von Helden 1443, wo das St. Apostelnstift „tom Kopperberge“ einen Malter Hafer jährlich erhält.

Am 25. März 1400 stellt die Stadt Wipperfürth für die Stadt Danzig ein Geburtszeugnis für den Bürger „Kerstion de Goldsmat“ aus.

Zwei Glocken wurden offenbar von Wipperfürther Schmieden gegossen.

Die älteste Glocke aus Wipperfeld goß 1335 ein Magister Sigfride und auf einer Glocke aus Sonnborn des Jahres 1458 steht „Ale von Wipperforde ghoiss mich“.

Mit einiger Sicherheit darf angenommen werden, dass ein Zusammenhang von Kupferbergbau, Kupferverhüttung und Glockenguss in Wipperfürth bestand. Neben dieser „groben“ Metallverarbeitung gab es das Goldschmiedehandwerk als Feinmetallverarbeitung.

In diesem Zusammenhang fügt sich die Münzprägung Wipperfürths schlüssig ein.

Das Herstellen der Silberschrötlinge verlangte Fähigkeiten in Metallschmelzen und das Schneiden der negativen Münzstempel in gehärtetes Eisen ist eine feinmechanische Tätigkeit.

Es stellt sich somit die Frage, ob die Einrichtung einer Münzstätte das metallverarbeitende Handwerk nach sich gezogen hat oder ob der Graf von Berg die Münzstätte an einen Ort gelegt hatte, wo Fähigkeiten und Kenntnisse in der Metallverarbeitung schon bestanden.

Vermutlich trifft die erste Überlegung zu. Die Münzstätte wurde 1275 vermutlich von Wildberg (bei Eckenhagen), wo die bergischen Silberbergwerke waren, nach Wipperfürth verlegt.

Ursprünglich haben die Grafen wohl das Silber dort ausprägen lassen, wo es gefördert wurde.

Doch schon bei den Anfängen der Geldwirtschaft in der Antike ist zu beobachten, dass Münzprägung meist dort angetroffen wird, wo Metall in Geldform benötigt wird, nämlich an den Handelsplätzen.