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Stadt der Talsperren  

Die Wipperfürther Talsperren und ihr Nutzen

Wie auch aus der Stadtgeschichte hervorgeht, ist Wipperfürth die älteste und frühere Hauptstadt des Bergischen Landes, und liegt am Oberlauf der Wupper, eines Flusses von 188 km Länge und einem Gefälle von 380 m von der Quelle bis zur Mündung. Sie teilt das Bergische Land in einen industriellen und einen landwirtschaftlichen Teil mit industriellen Schwerpunkten. Beide Teile sind siedlungsmässig und kulturell-religiös verschieden.

Das Bergische Land selbst steigt im Westen aus der Rheinebene herauf und erstreckt sich bis ans Sauerland. Im Norden wird es vom Ruhrgebiet und im Süden vom Siegerland begrenzt.

Von erheblicher Bedeutung war in der Frühzeit der alte Heerweg Köln, Bergisch Gladbach, Romaney, Herweg, Bechen, Wipperfürth, Radevormwald, Dortmund und Wipperfürth Halver, Arnsberg, mit dem entsprechenden Hinderland. Auf diesem Heer- und Handelswege rollten die Wagen der hansischen Kaufleute aus Wipperfürth bis nach England und bis ins Baltikum sowie nach Russland. Aber auch im 14. Jahrhundert begann sich das Flussgebiet der Wupper zum Inbegriff des Bergischen Landes zu entwickeln. Im Zuge der mittelalterlichen und vor allem der neuzeitlichen, industriellen Entwicklung verlor das Gebiet zwischen Bergisch Gladbach und Wipperfürth mehr und mehr an Bedeutung. Demgegenüber wird es in der Jetztzeit als Ausflugs- und Erholungsgebiet immer mehr geschätzt und gesucht.

Der Wupperfluss musste schon sehr früh Schwerstarbeit leisten. Zahlreiche Eisenhämmer, verschiedenste Mühlen und Färbereien wollten von ihr getrieben und mit Wasser versorgt werden. Mit dem Aufkommen der Großindustrie im 19. Jahrhundert erschöpfte sich ihre Kraft sehr bald. Selbst das Trinkwasser für die Bevölkerung musste vom Rhein und von der Ruhr herangeholt werden. Doch es war nur eine Teillösung. Für die Industrien reichten das Quell- und Grundwasser ebenfalls nicht mehr aus. Als einzige Möglichkeit einer besseren Wasserversorgung blieb die Ausnutzung des Oberflächenwassers, also der Bau von Trinkwasser- und Nutzwassertalsperren. So wurde bereits in den Jahren 1889 – 1891 im Eschbachtal die erste Trinkwassertalsperre für die Stadt Remscheid gebaut. Sie war zugleich die erste deutsche Talsperre. Der besondere Förderer und Planer der Bergischen Talsperren war zu dieser Zeit der Geheime Regierungsrat und Professor Intze von der Technischen Hochschule in Aachen.

Zum Bau von Talsperren bot sich das Gebiet um Wipperfürth geradezu an. Dieser Teil des Bergischen Landes zählt zu den regenreichen Landstrichen Deutschlands. Seine jährliche Niederschlagsmenge beträgt 1300 – 1350 Millimeter. Ausgedehnte Wälder bedecken noch heute die Höhen, unzählige Bäche und Siefen haben sich tief ins Land eingeschnitten.Unter diesen günstigen Voraussetzungen war es möglich, bereits um die Jahrhundertwende (19./20. Jahrh.) mehrere Trink- und Nutzwassertalsperren um Wipperfürth zu bauen. Diese Talsperren liegen malerisch in der Landschaft verstreut. Sie sind heute immer von neuem Anziehungspunkt für Wanderer, Wassersportler und Erholungssuchende, je nach dem Charakter der Talsperre.

Unmittelbar im Norden der Stadt Wipperfürth, in der Entfernung von zwei Kilometern, liegt die nächste, die Neyetalsperre (Bild links) Gerade das Neyetal zeichnet sich durch besondere Schönheit aus, worüber auch wohl schon unsere Vorfahren aus der Jungsteinzeit begeistert waren. Mehrere prachtvolle Steinwerkzeuge, die teilweise beim Bau der Talsperre gefunden wurden, sind Zeugen ihres "Besuches", vielleicht auch ihres "Verweilens".

Die Neyetalsperre (Bild rechts) ist in den Jahren 1907 – 1909 als Trinkwassertalsperre von der Stadt Remscheid gebaut worden. An ihrem Bau waren neben unseren eigenen Landsleuten, 380 Italiener sowie 139 Kroaten und Montegriner beteiligt. Das Fassungsvermögen beträgt 6 Millionen Kubikmeter. Sie lässt sich in etwa drei Stunden umwandern. Die Wege, die immer unmittelbar am Wasser und ausschließlich durch Wald führen, sind im Sommer und im Winter gleichermaßen reizvoll. Es ist eine Sperre für den Wanderer und Naturfreund, die gottlob, für jedes Kraftfahrzeug verbotenes Land ist. Für wenige Sommerwochen sind gerade hier seltene Vögel aus dem hohen Norden und aus dem südlichen Afrika zu Gast. Sie gehen hier ihrem Brutgeschäft nach und sind eine wertvolle Bereicherung unserer heimischen Vogelwelt.

Von der Neye-Staumauer aus, am Forsthaus vorbei, führt ein Weg, später eine Straße nach Scheppenstock und weiter zur schön gelegenen Bevertalsperre (Bild rechts), die der Wanderer in einer halben Stunde erreichen kann. Sie ist die älteste Nutzwassertalsperre und in den Jahren 1896 – 1898 erbaut worden. Genau genommen ist in diesen Jahren die „alte Bevertalsperre entstanden. Diese hatte einen Stauinhalt von 3,30 Millionen Kubikmeter und lieferte Betriebswasser für die Wuppertaler Industrie.
Da sie der Technik dient, mögen auch einige technische Daten folgen. Die Talsperre hat als Absperrbauwerk eine Staumauer wie auch die Lingese- und Bruchertalsperre. Es ist eine gekrümmte Schwergewichtsmauer, kein Damm. Der Mauerhalbmesser beträgt 250 m, ihre Krone war 4,50 m breit. Die Sperre lag und liegt 287,90 m über dem Meeresspiegel. In den Jahren 1935 – 1938 ist sie auf ein Fassungsvermögen von 23,7 Millionen Kubikmeter vergrößert worden. Da die alte Sperrmauer sich für eine Erhöhung nicht eignete, wählte der Erbauer 1.200 m unterhalb eine neue Sperrstelle und schloss diese aber nun mit einem Erddamm ab. Die Dammgründung war billiger und zu anderen konnten zu seiner Erbauung auch ungelernte Arbeiter verwendet werden. Die Dammlänge beträgt 520 m, seine Krone 7 m und seine größte Höhe 33,40 m mit einer größten Wassertiefe von 35 m. Der Damm hat eine Schüttmasse von etwa 1 Millionen Kubikmetern sowie eine Kerndichtung aus einer Stahlblechwand mit wasserseitig davor liegendem Dichtungslehm. Die Stahlblechwand besteht aus tonnenförmig gebogenen Blechtafeln von 2 x 6 m Größe und 8 mm Stärke. Der abseitige Dammteil ist begrast. Er passt sich mit seiner Bepflanzung gut dem Landschaftsbild an. Im Gegensatz zur „naturfreudigen“ Neyesperre, bietet die Beversperre dem Wassersportler Gelegenheit zum Baden, Rudern und Segeln.

Nach einem erfrischenden Bad nimmt der Wanderer seinen Rückweg über Elberhausen, Niederröttenscheid, Siedlung Neye mit Flugplatz, nach Wipperfürth.
In der Neyesiedlung läd ihn eine der modernsten Kirchen des Bergischen Landes, die St. Michaels-Kirche, zu Gebet und Betrachtung ein. Sie ist architektonisch gesehen ein „Zelt Gottes“ und darum in ihrer Form einmalig, ein echtes Symbol unserer ruhelosen Zeit. Wir Menschen sind in diesem Jahrhundert zu „Wanderern“ und viele Millionen zu Flüchtlingen geworden. In dieser Zeit der Umwertung aller Dinge und des Suchens und Ringens nach neuen Ausdrucksformen ist der Mensch auch in eine neue, unmittelbarer Beziehung zu Gott getreten. So braucht der Wanderer der „Zeiteingang“ der neuen Kirche nur zurückzuschlagen, um direkt vor seinem Herrgott zu stehen, ohne langes Suchen und ohne die Augen an eine „Mystisches Dunkel“ zu gewöhnen.

Der Herrgott ist auch unter den Wanderern und unter den Flüchtlingen.

Die nächste Wanderung führt von Wipperfürth aus zu der 1941 erbauten Schevelinger- oder Silbertalsperre (Bild links) im Hönnigetal. Sie liegt am Wege nach Kreuzberg und ist in einer guten Stunde zu erreichen. Ihr Wasser ist auch an heißen Sommertagen immer sehr kalt. Diese Talsperre, ebenfalls eine Trinkwassersperre, soll das Wasser aus dem Hönnigegebiet reinigen, um es durch einen 950 m langen Stollen der Neyetalsperre zuzuführen. Durch einen weiteren 800 m langen Freispiegelstollen kann das Hönnigewasser aus der Neye- in die Bevertalsperre abgeleitet werden.

Die Silbersperre fasst 0,3 Millionen Kubikmeter Wasser und hat eine größte Wassertiefe von 12,50 m. Das Absperrbauwerk besteht aus einem Staudamm mit einer Böschungsdichtung aus einem 6 cm starken Asphaltbeton. Diese Dichtungsart ist in Deutschland hier zum ersten Male angewendet worden und hat sich bis heute sehr gut bewährt.
Die Silbertalsperre ist ebenfalls rings von Wald umgeben, kein Kraftfahrzeug stört den entspannungs- und ruhesuchenden Wanderer.

Die Sperre stellt keine besondere Sehenswürdigkeit dar. Vielmehr empfiehlt es sich, die kaum begonnene Wanderung fortzusetzen, um über Wasserfuhr und Dahl die weitaus größere Kerspetalsperre (Bild rechts) zu besuchen. Sie entstand im Jahre 1912 mit einem Fassungsvermögen von 16 Millionen Kubikmeter Wasser und liefert Trinkwasser für die Stadt Wuppertal. Der umschließende Wald ist zum Teil Naturschutzgebiet. Es lohnt sich wirklich, hier länger zu verweilen. Auch die Fotofreunde finden hier und an der Neyetalsperre überaus reiche Möglichkeiten, künstlerische wertvolle Farbaufnahmen im Film und auf Fotos festzuhalten. Der Besuch dieser Sperren ist immer ein Erlebnis.

Für den Rückweg ist die Straße Klaswipper - Wipperfürth nicht geeignet.
Der bevorzugte Wanderweg geht von Großfastenrath aus über Klaswipper und die alte Eisenbahntrasse nach Niederklüppelberg, Schollenbach, Altensturmberg, den alten Heerweg entlang nach Küppersherweg, Lendringhausen, Stillinghausen (die beiden Letzteren sind alte Sachsensiedlungen, Gründungen sächsischer Edelinge) bis zur Jugendherberge kurz hinter Stillinghausen.

Die zwei weiteren Talsperren sind in Tagestouren zu erreichen. Die Straße, die zur Kerspe führt, bringt uns weiter über Gogarten, Schmitzwipper zur Lingesetalsperre. Hier herrscht immer ein reger Ausflugsverkehr. Baujahr sind die Jahre 1897 – 1899. Das 2,6 Millionen fassende Becken hat bei gefüllter Sperre eine größte Wassertiefe von 18,50 m. Die meisten Talsperren des Wuppergebietes sind auf Tonschiefer gegründet. Die Lingese (Bild rechts) hat jedoch einen Hang aus Grauwacke mit tiefen Klüften und Spalten. Hier mussten bis 1950 laufend Abdichtungsarbeiten durchgeführt werden um die Wasserverluste auf wenigstens 10 v.H. herabzudrücken.

Die Sperre liefert Nutzwasser für die Industrie Wuppertals.Von der Lingese braucht der Wanderer nur etwa eine halbe Stunden, um zurBruchertalsperre (Bild links) zu gelangen. Sie weißt den größten Ausflugsverkehr und Sportbetrieb auf. Sie liegt der Wupperquelle am nächsten und ist in den Jahren 1912 und 1913 erbaut worden. Zur Füllung werden 3,34 Millionen Kubikmeter Wasser benötigt. Das Wasserbecken hat dann eine Oberfläche von 46 Hektar.Auf dem Rückweg besucht der Wanderer den alten Wallfahrtsort Marienheide mit seinem im Jahre 1421 erbauten Dominikanerkloster. Eine besondere Sehenswürdigkeit ist das alte Chorgestühl der Klosterkirche mit seinem weithin bekannten Schnitzwerk.

Im Südwesten von Wipperfürth liegt die Dhünntalsperre (Bild rechts) im Einzugsgebiet der Dhünn, des größten Nebenflusses der Wupper. Die leicht von Osten nach Westen abfallenden hügeligen Hochflächen werden durch das tiefeingeschnittene Dhünntal sowie durch die zahlreiche kleinere Seitentäler durchzogen. Von den Quellen, westlich von Hückeswagen und Wipperfürth, bis kurz vor Odenthal ist das Einzugsgebiet der Dhünn nur gering besiedelt und eignet sich vorzüglich zur Trinkwassergewinnung.

In den Jahren 1960 – 1962 wurde dem damaligen Bedarf entsprechend die Dhünntalsperre mit einem Stauinhalt von 7,5 Millionen Kubikmeter gebaut.

Im Laufe der sechziger Jahre stieg der Wasserverbrauch derart, dass vom Vorstand des Wupperverbandes am 28.06.1971 der Beschluss zum Bau der Großen Dhünntalsperre gefasst wurde. Es waren insbesondere die vier Städte Wuppertal, Remscheid, Solingen und der schon aus der Dhünntalsperre belieferte Wasserversorgungsverband Rhein-Wupper, für die ein größeres Wasserangebot geschaffen werden musste. Um den vollen Bedarf der vorgenannten Wasserbezieher decken zu können, wurde 1973 der Bau eines rund 3 km langen Stollens zur Beileitung von jährlich rund 12 Millionen Kubikmeter Wasser aus dem Einzugsgebiet der Kürtener Sülz beschlossen. Die große Dhünntalsperre ist mit ihren 81 Millionen Kubikmeter großen Stauinhalt das größte orderirdische Trinkwasserreservoir der Bundesrepublik Deutschland. Ihr direktes Einzugsgebiet hat eine Größe von 60 qkm, das Einzugsgebiet der Kürtener Sülz von 29 qkm.

Am 22. April 1975 wurde mit dem ersten Sprengschuss mit dem Bau der großen Dhünntalsperre begonnen.

Die Hauptbauarbeiten wurden 1984 abgeschlossen, so dass im November 1984 mit dem Probe- und Reinigungsstau begonnen werden konnte.

Im April 1987 wurde der Vollstau erreicht.

Baukosten: 286 Millionen DM, hinzu kommen die Kosten für die Wasseraufbereitung und Verteilung in Höhe von 255 Millionen DM.

Hier noch einige technische Daten:

Absperrwerk: Steinschüttdamm mit Asphaltbetonkerndichtung.

Höhe der Grundsohle: 63,00 m, Kronenlänge: 400,00 m, Kronenbreite: 8,50 m, Sohlenbreite: 210,00 m, Inhalt des Dammes: 1,2 Millionen Kubikmeter, Entnahmeturm – Höhe über Grundsohle: 66,00 m

Staufläche 44000 ha, Stauhöhe 53,00 m, Stauinhalt 81.000.000 cbm

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